Gebrauchtwagenkauf im Winter souverän meistern
Wenn jemand im Januar auf einem zugigen Händlerhof steht, sich den Schnee vom Mantel klopft und versucht, im Dämmerlicht den Lack zu erkennen, merkt man schnell, wie anspruchsvoll ein Gebrauchtwagenkauf im Winter sein kann. Während ein Bekannter nebenbei erzählt, wie er sich auf langen Fahrten mit einem Besuch bei Gigasnus wachgehalten hat, rückt eine Frage in den Vordergrund: Wie lässt sich der Besichtigungstermin strukturiert und ohne Hektik angehen?
Ankunft auf dem verschneiten Autohof
Nach einer drei- bis vierstündigen Anfahrt über nasse Autobahnen, mit Salzschlieren auf der Windschutzscheibe, kann es passieren, dass der Beifahrer an der Raststätte kurz zu seinen VELO Nikotinbeutel
greift, bevor es weitergeht. Solche kleinen Rituale bleiben im Kopf, während man schließlich auf dem Hof ankommt, den Kragen hochschlägt und den ersten Eindruck des Wagens gewinnt, der halb verschneit zwischen anderen Fahrzeugen steht, mit vereisten Scheiben und einer dünnen Schicht Salz auf den Felgen.
Fahrzeug vor dem ersten Start prüfen
Noch bevor der Motor gestartet wird, lohnt sich ein Rundgang. Dabei streicht man den Schnee bewusst von Motorhaube, Dach und besonders von den Kotflügelkanten, um zu sehen, ob sich Rostblasen oder ungleichmäßige Spaltmaße zeigen. Ein genauer Blick auf die Reifen verrät zudem, ob tatsächlich Winter- oder Ganzjahresreifen montiert sind, ob das Alpine-Symbol mit Berg und Schneeflocke vorhanden ist und ob die DOT-Nummer auf der Reifenflanke ein Herstellungsjahr angibt, das zur erwarteten Restlebensdauer passt. Für Winterfahrten erscheinen Profile von deutlich über vier Millimetern sinnvoll.
Ein erfahrener Käufer tastet außerdem vorsichtig an den Motorblock oder an die oberen Kühlerschläuche, um zu prüfen, ob das Aggregat wirklich kalt ist, denn ein bereits warmgelaufener Motor kann Startschwierigkeiten verbergen. Danach werden Scheinwerfer, Blinker, Bremslichter und Nebelschlussleuchte einzeln eingeschaltet und von außen kontrolliert. Selbst scheinbare Kleinigkeiten wie ungleichmäßig abgenutzte Wischerblätter oder eine verschmutzte Heckkamera geben Hinweise darauf, wie sorgfältig der Vorbesitzer das Auto behandelt hat.
Unterlagen und Historie genau ansehen
Wenn das Blech einen akzeptablen Eindruck macht, rücken die Unterlagen in den Mittelpunkt. Den Anfang macht die Zulassungsbescheinigung Teil I, in der sich Fahrzeug-Identnummer, aktuelle Halterdaten und das Datum der nächsten Hauptuntersuchung finden. Diese Daten lassen sich mit der Nummer im Motorraum oder an der unteren Windschutzscheibe abgleichen, während die Zulassungsbescheinigung Teil II bestätigt, dass der Verkäufer tatsächlich verfügungsberechtigt ist.
Der Prüfbericht der letzten HU mit Datum, Kilometerstand und eventuellen Mängelhinweisen ist ebenso wichtig wie ein lückenlos geführtes Serviceheft, das mit Stempeln und Einträgen der Werkstätten den Kilometerfortschritt nachvollziehbar macht. Dazu kommen idealerweise Rechnungen für größere Arbeiten wie Zahnriemenwechsel, Kupplungstausch oder den Einbau neuer Stoßdämpfer, aus denen hervorgeht, wann welche Teile verbaut wurden.
Probefahrt im Winter clever nutzen
Während der Probefahrt zeigt sich, wie der Wagen mit Kälte und Nässe umgeht. Deshalb wird beim ersten Start darauf geachtet, wie schnell der Motor anspringt, ob der Anlasser schwer arbeitet oder der Motor kurz unruhig läuft und ob Kontrollleuchten für ABS, Airbag oder Traktionskontrolle nach wenigen Sekunden wieder ausgehen. Anschließend führt die Strecke idealerweise durch Stadtverkehr und über Landstraße mit Geschwindigkeiten um 80 bis 100 km/h, damit Lenkung, Fahrwerk und Bremsen unter realistischen Bedingungen geprüft werden können.
Auf einer freien, geraden Passage bremst man einmal kräftiger von etwa 70 km/h herunter, ohne den nachfolgenden Verkehr zu gefährden, um zu fühlen, ob das Auto sauber in der Spur bleibt, ob das ABS spürbar regelt und ob das Pedal gleichmäßig reagiert. Parallel dazu wird auf Geräusche von Fahrwerk und Wind geachtet, während Heizung, Gebläse, Front- und Heckscheibenheizung sowie Sitzheizung getestet werden. So entsteht am Ende eine stimmige Mischung aus Gefühl, Fakten und Unterlagen, mit der man vom Hof fährt und den Gebrauchtwagenkauf im Winter nachvollziehbar und gut begründet erscheinen lassen kann.